David Byrne gastierte in Wien

Via Kurier

David Byrne gastierte in Wien
By Brigitte Schokarth

"Electronic Gospel" nennt Brian Eno das, was er mit David Byrne für die Ende 2008 erschienene CD"Everything That Happens Will Happen Today"aufgenommen hat. Samstag Abend brachte David Byrne, Mastermind der Talking Heads, diese Songs auf die Bühne der Wiener Arena. Ohne Tournee-Hasser Brian Eno.

Der war zwar für den Sound maßgebend. "Everything That Happens Will Happen Today" sind Eno-Instrumental-Tracks, zu denen Byrne Texte geschrieben hat. Trotzdem fehlte er kaum, als Byrne in der Arena auf die Bühne kam und zunächst plauderte, Witze machte und erzählte, was der Abend bringen wird: Songs der Zusammenarbeit mit Eno. Auch ältere wie die ihres gemeinsamen Klassikers "My Life In The Bush Of Ghosts" und der drei Talking-Heads-Alben, die Eno produziert hat.

Potenzial

Dann endlich Beats und Töne: "Strange Overtones" ist ein schöner Midtempo-Song, aber kein knalliger Show-Opener. Byrnes Stimme zeigt Schwächen, wenn er solo und langsam singt, klingt dann raunzend. Sie brilliert erst, wenn sie sich in die Harmonien des dreiköpfigen Gospel-Chors einreiht. Und auch die Band klingt zu Beginn wie eine Maschine, die mächtiges Potenzial hat, aber noch nicht warm gelaufen ist.

Die Show ist als Performance angelegt. Band und Byrne - von den Haaren bis zum Uhrband - sind ganz in Weiß gehüllt. Genauso drei Tänzer, die viele der Songs mit Modern-Dance illustrieren - mit Requisiten wie Bürosessel und E-Gitarren. Langsam wird die Maschine warm.

Psychotisch

Und - leider erst kurz vor Schluss - noch richtig heiß: "Crosseyed And Painless" und "Once In A Lifetime" bringen das Publikum in Tanzlaune. Jetzt klingt Byrnes Stimme plötzlich nicht mehr jammernd, sondern gejagt und psychotisch - so spannend, wie man sie bei den Talking Heads geliebt hat.

Zum Glück gibt es jede Menge Zugaben: "Take Me To The River" und überraschend: "Burning Down The House" und "Road To Nowhere": Erstens weil Byrne in weißem Ballettröckchen antänzelt, zweitens, weil beide Talking-Heads-Hits sind, an denen Brian Eno nicht beteiligt war.

Egal. Denn jetzt endlich tut der "Electronic Gospel", was Gospel zu tun hat: bewegen.

KURIER-Wertung: **** (von *****)

December Radio David Byrne Presents: Arabia

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